Austernfischer
Der Austernfischer (Haematopus ostralegus) ist ein auffälliger Watvogel der europäischen Küsten. Mit einer Körperlänge von 40 bis 45 cm, einer Flügelspannweite von 80 bis 90 cm und einem Gewicht von etwa 400 bis 800 g zählt er zu den grösseren Watvögeln. Trotz seines Namens ernährt sich der Austernfischer nicht ausschliesslich von Austern. Zu seiner Nahrung gehören vor allem Muscheln, Schnecken, Würmer, Krebstiere und andere wirbellose Tiere des Wattenmeeres. Mit seinem kräftigen Schnabel kann er Muschelschalen aufhebeln oder auf Hämmern und selbst tief im Schlick verborgene Beutetiere aufspüren. Der Austernfischer lebt bevorzugt an Meeresküsten, Salzwiesen und Wattgebieten. In den letzten Jahrzehnten haben sich viele Populationen jedoch auch an das Leben im Binnenland angepasst und brüten auf Wiesen, Weiden oder sogar auf Flachdächern in Städten. Die Brutzeit beginnt im Frühjahr. Das Nest besteht meist nur aus einer flachen Mulde am Boden, die mit wenigen Pflanzenteilen ausgekleidet wird. Beide Eltern beteiligen sich am Bebrüten der Eier und an der Aufzucht der Jungvögel. Austernfischer leben oft viele Jahre mit demselben Partner zusammen und gelten als ausgesprochen reviertreu. Besonders bekannt ist ihr lauter, weittragender Ruf, der häufig schon von weitem zu hören ist. Mit ihren schrillen Pfeiflauten verteidigen sie ihr Revier und halten Kontakt zu ihrem Partner. Im Winter ziehen viele Austernfischer entlang der Küsten Westeuropas nach Süden, während andere in ihren Brutgebieten verbleiben, sofern ausreichend Nahrung verfügbar ist. An geeigneten Rastplätzen versammeln sie sich dann oft in grossen Schwärmen von mehreren hunderten oder sogar tausenden Vögeln.