Odinshühnchen
Odinshühnchen (Phalaropus lobatus). Wer einen Beweis dafür sucht, wie präzise, voller Überraschungen und unendlich kreativ die Schöpfung Gottes ist, muss nur einen Blick auf das Odinshühnchen werfen. Bei allen Wassertretern sind die Geschlechterrollen vertauscht: Es ist das Weibchen dass aktiv den Partner sucht und es mit einem auffälligen Balzflug umwirbt, sie verjagt Konkurrentinnen und verteidigt das Revier. Sobald die Eier gelegt sind, verabschiedet sich das Weibchen (oft, um mit einem anderen Männchen eine weitere Brut zu beginnen). Das Männchen bleibt zurück, brütet die Eier allein aus und übernimmt die komplette Aufzucht und Fütterung der Jungvögel. Um an Nahrung zu kommen, nutzen Odinshühnchen eine faszinierende Technik: Sie wirbeln wie kleine Kreisel auf der Wasseroberfläche um die eigene Achse. Durch diesen Mini-Whirlpool strudeln Larven und Krebstierchen nach oben, die sie dann blitzschnell aufpicken. Eine bessonderheit sind ihre Lappenfüsse (wie ein Blässhuhn), die ihnen das Schwimmen auf hoher See ermöglichen. Be der Nahrungssuche dreht sich das Odinshühnchen häufig im Kreis, um Wirbel im Wasser zu erzeugen, die Insekten und andere Beutetiere zur Oberfläche treiben. Odinshühnchen sind extreme Langstreckenzieher, deren Routen Forschende bis heute Rätsel aufgeben. Sie verbringen den Winter fast ausschließlich auf dem offenen Meer (pelagisch) – eine absolute Seltenheit für Watvögel. Ihre Winterquartiere liegen weit verstreut über den tropischen und subtropischen Ozeanen, vor den stürmischen Küsten Patagoniens oder im Süden Japans. Einzelne Weltenbummler verschlägt es sogar bis nach Australien und Neuseeland. Länge: 17–19 cm (kaum größer als ein Star) / Spannweite: 30–34 cm /Gewicht: 25–50 g.