Bartgeier

Der Bartgeier (Gypaetus barbatus). Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,8 Metern ist der Bartgeier der grösste Greifvogel der Alpen. Früher wurde er auch Lämmergeier genannt, da man fälschlicherweise glaubte, er würde Lämmer oder sogar kleine Kinder rauben. Dieser Irrglaube führte im 19. Jahrhundert zu seiner vollständigen Ausrottung in den Alpen. Der Bartgeier lebt in hochalpinen Gebirgsregionen oberhalb der Baumgrenze, meist zwischen 1'500 und 3'000 Metern. Er bevorzugt steile Felslandschaften mit guten Thermikverhältnissen, unzugänglichen Felswänden sowie ruhigen Brutplätzen. Ebenso wichtig sind offene Flächen mit ausreichend Aas sowie sogenannte Rotbadestellen um ihr Gefieder mit eisenoxidhaltigem Schlamm einzufärben.  Die Hintergründe dieses angeborenen Verhaltens sind bislang unbekannt.  Der Bartgeier ist der einzige Vogel Europas, der sich überwiegend von Knochen ernährt. Rund 80 Prozent seiner Nahrung bestehen aus Knochen verendeter Tiere, der Rest aus Aas. Jungvögel benötigen zunächst noch Muskelfleisch, während sich erwachsene Tiere fast ausschliesslich von Knochen ernähren. Ein ausgewachsener Bartgeier benötigt täglich etwa 250 bis 400 Gramm Knochen. Zu grosse Knochen lässt er aus grosser Höhe auf Felsen fallen, um sie in schluckbare Stücke zu zerbrechen. Dank seiner aussergewöhnlich grossen Mundspalte kann er Knochen von bis zu 18 cm Länge und etwa 3 cm Durchmesser unzerkaut verschlucken. Seine extrem starke Magensäure löst selbst harte Knochen innerhalb weniger Stunden auf. Bartgeier leben in dauerhaften Paarbindungen und nutzen ihre Horste oft über viele Jahre hinweg. Der Horstbau beginnt bereits im Herbst. Die gewaltigen Nester befinden sich in unzugänglichen Felsnischen und werden aus Ästen aufgebaut sowie mit Knochen, Wolle, Tierhaaren und Federn ausgepolstert. Mit den Jahren können sie bis zu drei Meter breit und zwei Meter hoch werden. Das Weibchen legt meist ein bis zwei Eier. Obwohl häufig beide Küken schlüpfen, überlebt in der Regel nur das stärkere Jungtier. Die Nestlingszeit beträgt rund 110 bis 120 Tage. Mehr als 100 Jahre nach seiner Ausrottung kehrte der Bartgeier dank eines internationalen Wiederansiedlungsprogramms in die Alpen zurück. Seit 1991 siedle die Stiftung Pro Bartgeier die Vögel in der Schweiz wieder an. Im Jahr 2007 brüteten erstmals wieder zwei Bartgeier-paare erfolgreich in den Schweizer Alpen. Am Ofenpass schlüpfte dabei zum ersten Mal seit 122 Jahren wieder ein junger Bartgeier in freier Wildbahn. Bis ins Jahr 2025 sind im gesamten Alpenraum 589 wildgeschlüpfte Bartgeier ausgeflogen – davon 213 Jungtiere in der Schweiz. Länge: 100-115 cm / Spannweite: 250-280 cm / Gewicht: 5000-7000 g / Höchstalter CH: 5  bis 6 Jahre.

Foto oben: Meine ersten Fotos vom Bartgeier mit Jungvogel. Schweizerischer Nationalpark, Alp Schera, im Vorbeiflug hoch über dem Gipfel. 22.07.2026